Rundgang durch die Ausgrabungen und das Römermuseum Teurnia


Abbildung 1

Der Hügel von St. Peter in Holz (4 km westlich von Spittal/Drau) war seit dem 12. Jahrhundert v. Chr. bewohnt. Ab ca. 50 n. Chr. wird die ältere keltische Siedlung in die große römische Stadtplanung einbezogen. Gleichzeitig wird Teurnia der Verwaltungssitz etwa des heutigen Oberkärnten. Im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. war nur mehr die befestigte Hügelkuppe bewohnt, auf welcher die nunmehr unter einem modernen Schutzbau präsentierte Bischofskirche liegt (Abb. 1). Nahe der Bischofskirche befindet sich das neuadaptierte Römermuseum Teurnia mit zahlreichen Reliefs, Inschriften, Kleinfunden (Abb. 3) und Münzen, die vom künstlerischen Schaffen der Stadt und vom gesellschaftlichen Leben der Bewohner zeugen. Außerhalb der Stadtmauer liegt die frühchristliche Friedhofskirche mit einem berühmten und seltenen Mosaikboden aus der Zeit um 500 n. Chr. (Abb. 2).

Im Museum liefert ein knapper geschichtlicher Rahmen in Form einer Bilddokumentation - wie das Inhaltsverzeichnis eines Buches - einen Überblick über die 1800 Jahre menschlichen Lebens an diesem Siedlungsplatz (1200 vor Christus bis 600 nach Christus). Dazu kommt ein Abriß der Forschungsgeschichte in Stichworten. Dadurch können wir die folgenden Themen leicht einordnen: Die Beziehungen zwischen dem Kaiser in Rom und der Stadt Teurnia werden ebenso erklärt wie die Tatsache, dass die Verwaltung mit einer Handvoll städtischer Beamter auskam. Brot und Spiele, Tempelstiftungen und monumentale Grabbauten als Spiegel der sozialen Stellung hinterließen ebenso Spuren in den Denkmälern wie das Zusammenleben der Kelten und Römer. Ihre Einstellung zu den Göttern wird durch die Weihegaben deutlich (Abb. 4). Zeugnisse der Religionen aus dem östlichen Mittelmeerraum drücken das Hoffen auf ein glückliches Jenseits aus.

Durch die Gestaltung des neuen Römermuseums wird uns klar, dass im Mittelpunkt der archäologischen Forschung der Mensch steht - und nicht die Dinge. Die Funde sind für den Archäologen der Weg zum Menschen der Vergangenheit, von dem wir kommen. Es werden die Funde nicht nach Materialgattungen (Marmor, Bronze, usw.) gegliedert, sondern nach ihrem Aussagewert für das jeweilige kulturhistorische Thema, das uns näher gebracht werden soll. Auch werden von uns keine Lateinkenntnisse verlangt, sondern die Bedeutung der Inschriften wird mit einem Bild oder einem markanten Satz vermittelt.


Freilichtmuseum
Neben dem Römermuseum gibt es in landschaftlich eindrucksvoller Umgebung ausgegrabene Objekte vor allem aus der Spätantike, nämlich der Epoche des frühen Christentums und der Völkerwanderung (400 ­ 600 nach Chr.).

Die frühchristliche Bischofskirche der römischen Provinzhauptstadt Teurnia wurde 1984, entgegen der früheren historischen Überlegungen von Franz Glaser, nahe dem westlichen Stadttor entdeckt. Der Kirchenbau des 6. Jahrhunderts ist von der byzantinischen Baukunst beeinflußt wie kein anderer in dieser Region. Die zahlreichen Funde der Marmorausstattung lassen uns den einstigen Altarraum erfassen. Diese Bischofskirche ist die am besten erhaltene im Alpenraum und wird daher von einem Schutzbau von Architekt Reinhold Wetschko überspannt. Dieser ist inzwischen richtungsweisend für moderne Schutzbaukonzepte.

Die frühchristliche Friedhofskirche außerhalb der Stadtmauern kam anläßlich des Baues einer Wasserleitung im Jahre 1908 zutage. Diese Kirche ist der anspruchvollste Bau antiker Sakralarchitektur im Alpengebiet, wie dies ein Modell dem Besucher deutlich macht. Berühmtheit erlange der Mosaikboden in einer Seitenkapelle der Kirche wegen seiner plakativen Darstellungsweise. In zwölf Bildern werden uns in Tiergleichnissen einige Aussagen des christlichen Glaubens näher gebracht.

Eine spätrömische Stadtvilla, die über den Häusern aus dem 1. Jahrhundert nach Christus errichtet wurde, kann östlich des Römermuseums besichtigt werden. Will der Besucher zu den Wohnterrassen am Bergfuß, zum Marktplatz ( Forum ), zur öffentlichen Badeanlage oder zum Heiligtum des keltischen Heilgottes Grannus gelangen, so wird er am Weg durch Schaukästen informiert, da die genannten Stadtvierteln wieder von Erde bedeckt sind.

Am westlichen Stadttor, von dem die Hälfte zum Fluß (Drau) abgestürzt ist, kann der Besucher den Fußweg nehmen, der etwa dem alten Römerweg entspricht.


Abbildung 2


Abbildung 3


Abbildung 4