ABT. ALTE GESCHICHTE,  ALTERTUMSKUNDE UND ARCHÄOLOGIE

 

ABT. PROVINZIALRÖMISCHE ARCHÄOLOGIE UND FELDFORSCHUNG

 

 

 

 

ARCHÄOLOGISCHE AUSGRABUNGEN IM

 

 

 

HEILIGEN BEZIRK DER NOREIA-ISIS

 

IN HOHENSTEIN

 

2004

 

 

 

             

 

 

 

 

 

Projektleitung:       Univ.-Prof. Dr. Karl Strobel (Univ. Klagenfurt.)

Univ.-Doz. Dr. Heimo Dolenz (LMK)

 

 

Grabungsleitung:  Dr. Christoph Flügel/Dr. Heimo Dolenz

 

 

Projektdauer:         Grabung 26. Juli bis 8. August 2004

                                   Aufarbeitung bis Dezember 2004

 

 

Projektkosten:       € 3.000-4.000 (Sachaufwand)

 

 

 

Projektziele:                      

 

 

1.........Vermittlung von Grabungstechniken und Grabungsdokumentationsmethoden an Studierende der Universität Klagenfurt im Rahmen einer altertumskundlichen Lehrveranstaltung

 

2.........Erfassung, Transskription, graphische Bearbeitung und wissenschaftliche

Deutung der Grabungsdokumente aus dem 19. Jahrhundert

 

3……. Zeichnerische und photographische Dokumentation von Alt- und Neufunden aus dem Tempelareal

 

4……. Durch Öffnen von stratigraphischen Sondagen und Planquadraten an bauhistorisch relevanten Bereichen der Anlage sollen

……....die Bauzeit des Podiumtempels/Hl. Bezirkes chronologisch erfasst

……...allfällige Umbauperioden dokumentiert und

……...der Erhaltungszustand des antiken und restaurierten (1933) Mauerwerks unter

bauphysikalisch-denkmalpflegerischen Gesichtspunkten bewertet werden

 

5……..umfassende kulturhistorische Bewertung des Noreia-Isisheiligtumes und

seines Umlandes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Heiligtum der Noreia-Isis in Hohenstein

 

 

Auf einem Plateau nördlich der römerzeitlichen Straße bei Hohenstein (Gemeinde Liebenfels, Bezirkshauptmannschaft St. Veit an der Glan) wurden immer wieder Mauerschutt und Tonscherben gefunden.

In der Zeit 1848 – 1850 fand man die Portraitbüste des Claudius Paternus Clementianus und mehrere, der Noreia-Isis geweihte Altäre und vermutete auf Grund dessen auf diesem Platz ein Heiligtum der Göttin. Aber erst 1895 kam es zu einer ersten Untersuchung durch den Kärntner Geschichtsverein unter der Leitung von Casper Kaiser. 1932 wurde der Tempel von Harald von Petrikovits erneut untersucht.

Die Maße des Tempels ergeben einen Grundriss von 12,5 x 7,3 Meter Seitenlänge und eine Außenmauerstärke von 1,4 Meter. Der innere Bereich teilt sich durch eine Quermauer in zwei verschieden große Hälften, in den nahezu quadratischen Zentralen Kultraum (Cella), 4,3 x 4,1 Meter, im Norden und den offenen von vier Säulen abgeschlossene Vorraum (Pronaos), 4,3 x 2,5 Meter, im Süden. An der Nordmauer des Kultraumes ist  ein Sockel angebaut, auf dem wahrscheinlich eine Statue der Noreia beziehungsweise Noreia-Isis stand. An der Südseite befand sich der wahrscheinlich vierstufige Aufgang, der auf ein Niveau von 1,8 Meter über dem antiken Bodenniveau führte.

 

Durch Weiheinschriften ist ein Heiligtum an dieser Stelle im 1. Jahrhundert nach Christus belegt. Eine umfassende Erneuerung fand in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts statt. Im 4. Jahrhundert dürfte der Kult allmählich in der christlich gewordenen Lebenswelt erloschen sein.

 

 

Der Tempel hatte überregionale Bedeutung. Darauf weisen die Weihinschriften und die italische Bauweise hin, vielleicht war er ein Wallfahrtsort. In diesem Fall könnten die umliegenden Gutshöfe auch als Herbergen für Pilger gedient haben.

 

 

 

 

 

Portraitbüste des Claudius Paternus Clementianus

H: 0,54 m, B: 0,50 m; Marmor.

Fundort: Hohenstein, heute im Landesmuseum für Kärnten in Klagenfurt.

 

Die lebensgroße Büste, die aus hadrianischer Zeit stammt, ist durch die Herausarbeitung  individueller Züge eine Meisterleistung römischer  Bildhauerkunst. Als Fundort des Portraits gilt das Heiligtum in Hohenstein. In dessen Bauinschrift wird der Name Claudius Paternus Clementianus genannt. Dieser war um 125 n. Chr. Statthalter in Noricum, die Skulptur wird durch ihre stilistischen Merkmale ebenfalls dieser Epoche zugerechnet.

 

 


 

 

Noreia-Isis Statue

H: 1,43 m, B: 0,40 m; Marmor.

Fundort: Virunum, heute im Landesmuseum für Kärnten in Klagenfurt.

 

Diese Statue der Noreia-Isis ist die bislang einzige Darstellung dieser Gottheit. Die vorrömische norische Muttergottheit Noreia wurde, bedingt durch ähnliche Eigenschaften, mit der auch in Italien verehrten, ägyptischen Göttin gleichgesetzt. In dieser Darstellung finden sich sowohl Attribute der Noreia (typischer norischer Brustschmuck mit Schulterfibeln) als auch der Isis (Steuerruder und Füllhorn).

Die Skulptur wurde in der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. von dem uns namentlich nicht überlieferten „Meister von Virunum“ geschaffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Säulenbasen des Heiligtums in Hohenstein

Diese Zeichnung von Säulenbasen tuskischer Ordnung findet sich in den Aufzeichnungen von Caspar Kaiser, der 1895 vom Kärntner Geschichtsverein mit der ersten Grabung in Hohenstein beauftragt wurde. Ihr heutiger Standort ist unbekannt.

Auf der Zeichnung links befindet sich die Basis der Säule der Säulenvorhalle (Portikus), rechts die Basis der Säule der Tempelvorhalle (Pronaos)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hohenstein – Befundplan des Heiligtums

Nach Harald von Petrikovits – 1932/33.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weihealtar für Noreia

H: 1,18 m, B: 0,24 m, D: 0,17 m. Marmor aus Tentschach. Heute im Lapidarium des Landesmuseums in Klagenfurt.

 

Text der Inschrift:

Noreiae / Aug(ustae) sacr(um) / Q(uintus) Fabius / Modestus / domo Roma / dec(urio)al(ae) I Aug(ustae) / Thracum/phialam / argent(eam) p(ondo) II:.(Quadrantem) / eml(ema) Noreiae / aurea / uncias duas / d (onum) d(edit).

 

Der erhabenen Noreia geweiht. Q. Fabius Modestus aus Rom, Decurio in der I. Thrakischen Ala Augusta, hat eine Silberschale im Gewicht von 2 Pfund und drei Unzen sowie ein goldenes Noreiabildnis im Gewicht von 2 Unzen als Geschenk gegeben.

 

Der, bis auf das Weihegeschenk, vollständig erhaltene Weihealtar war der norischen Göttin Noreia gestiftet. Am Altaraufsatz, der in Form eines Pinienzapfens gestaltet ist, befand sich das Weihegeschenk, eine flache Silberschale, auf der sich das Bild der Göttin aus Gold befand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literatur zum Thema:

Rudolf EGGER, Führer durch die Antikensammlung des Landesmuseums in Klagenfurt. Wien 1923

Franz GLASER, Das verlorene Weihegeschenk der Göttin Noreia. In: Fremde Zeiten. FS J. Borchhardt. Wien 1996. 275ff.

Gernot PICCOTTINI, Die Römer in Kärnten. Ein Führer zu den wichtigsten römerzeitlichen Ausgrabungen und Denkmälern des Landes. Klagenfurt 1989.

Gernot PICCOTTINI, Die Römersteinsammlung des Landesmuseums. Klagenfurt 1996

Markus TRUNK, Römische Tempel in den Rhein- und westlichen Donauprovinzen. Ein Beitrag zur architekturgeschichtlichen Einordnung römischer Sakralbauten in Augst. Augst 1991. 193–194.

 

 

 

Publikation:            www.landesmuseum-ktn.at

2005: Fundberichte Österreich 43, 2004 und Rudolfinum. Jahrbuch des Landesmuseums Kärnten 2004.

 

 

 

 

 

 

 

Aktuelle Bilder von der Grabung in Hohenstein