Rundgang durch die Sammlung

Man betritt das Gelände mit den einzelnen Museen unmittelbar am Forum, dem Zentrum der antiken Stadt. Dieser z. T. dem Berghang in der Antike künstlich abgerungene "Marktplatz" war an drei Seiten von sog. tabernae (mit einer Schmalseite zum Platz weisende, nebeneinander angeordnete Häuser) umschlossen, welche aus Unterkunfts-, Arbeits-, zum Forum hin aber aus Verkaufsbereichen mit vorgelagerten Kellern (Warendepots) bestanden.

In der Nordost- und Ostseite des Forums wurden solche Tabernen konserviert und als themenspezifische Ausstellungsareale adaptiert.


Abbildung 1

Eisenmuseum (Taberne OR/14 u. OR/21)
Der Dokumentation des norischen Exportproduktes par excellence, des ferrum Noricum, dient das Eisenmuseum (OR/14, OR/21). Es zeigt nicht nur das außergewöhnlich reiche, ja für den Ostalpenraum einzigartige Spektrum an norischen Eisen- und Stahlerzeugnissen, sondern auch einen aus den Abbaugebieten stammenden Schmelzofen mitsamt Erläuterungen zu den damals geübten, geradezu industriellen Verhüttungsverfahren.

Dokumentation (Taberne OR/16)
An der überdachten Ostmauer der Taberne OR/16 befindet sich der maßstabsgetreue Grundrissplan der Ausgrabungen auf dem Magdalensberg, in welchen die vier großen Bauperioden der Stadt farbig hervorgehoben sind. Zentrales Schaustück ist jedoch das idealisierte Rekonstruktionsmodell der Stadt im Maßstab 1:200 (Abb. 1).

Händlerdepot - Museum (Taberne OR/17)
Die drei Vitrinen innerhalb der antiken Taberne OR/17 zeigen einen der reichsten Fundkomplexe der Stadt ­ das Händlerdepot SH/5. Das Gebäude SH/5 ist etwa 20-30 n. Chr. abgebrannt und dann nicht mehr verwendet worden. So erhielt sich ein exzeptionelles Depot an Handelswaren, das u. a. heimische Erzeugnisse (Eisengeräte und einheimische Trachtbestandteile aus Messing) und importiertes Tafelgeschirr (Terra Sigillata Service und süditalische Bronzegebinde) umfasst.

Museum einheimischer Keramik (Taberne OR/19)
Drei Wandvitrinen geben hier einen Überblick über die Formenvielfalt der am Magdalensberg gefundenen, aus regionalen Tonen gefertigten Keramik, die mehrheitlich als Kochgeschirr Verwendung fand. Hierin manifestieren sich spätestkeltische, norisch-autochtone und mediterrane Formen (Abb. 2).

Wandmalereimuseum (OR/38)
Abgesehen von den sich in den Bauwerken der Stadt widerspiegelnden Ingenieurleistungen und den reichen, mediterranen Lebensgewohnheiten Rechnung tragenden Importen, gilt der Magdalensberg auch als Fundort von Wandmalereien des späten zweiten und dritten pompeianischen Stils (20er Jahre v. Chr.), Fresken, die sich in Qualität und Motivschatz (bukolische und mythologische Szenen) mit erstklassigen italischen Beispielen messen können.

Im Inneren des Hauses OR/38 sind Originalfresken aber auch Farbreproduktionen der Magdalensberger Fresken mit figürlichen Motiven (Originale im Landesmuseum Kärnten) ausgestellt. Ferner wird die Herstellung derartiger Wandbilder durch Werkzeugfunde und Farbstoffe dokumentiert. Eine Tischvitrine ist den schriftlichen und materiellen Hinterlassenschaften der Handelsausübung (Schriftverkehr, Gewichte, Rechenmarken, Bleietiketten etc.) zugedacht (Abb. 3).

Haus NG/33
Hier wurden der rückwärtige Teil eines nach Süden ausgerichteten Wohnhauses überdacht und zugänglich gemacht. Zu sehen sind ein Wohnraum mit Terrazzoboden und Nischenwärmeofen sowie vermutlich ein Schlafraum. Die Räume sind durch schnell aufgezogene Rutenputzfachwerkwände getrennt, deren Aufbau hier rekonstruiert wurde.

Marmormuseum (SH/6)
Zeigt zahlreiche, einer örtlichen Steinmetzwerkstatt zuzurechnende Marmorfabrikate, darunter eine unvollendete Grabporträtbüste eines norischen Mädchens sowie Gewichte, Mörser, Kandelaber und Architekturbestandteile.

Haus SH/7
Von einem porticusartigen Vorbau gelangt man in das Haus SH/7, welches durch sich nicht zuletzt seinen nahezu quadratischen Innenhof an mediterrane Wohnbauformen anlehnt.

Buntmetallmuseum (NG/31)
Einen für das Wirtschaftsleben der Stadt bedeutenden Erwerbszweig stellte die Buntmetallverarbeitung dar. Dabei handelt es um privat geführte Gelbgießereien, die hauptsächlich in "verlorenen" Tonformen Schmuck und Kleinzeug aus Messing herstellten. Im Bereich der oberen NG-Bauten fanden sich mehrere derartige Betriebe nebeneinander angeordnet, so dass hier von einem Gelbgießereiviertel gesprochen werden darf. Das Buntmetallmuseum NG/31 zeigt einen Buntmetallgussofen sowie zahlreiche Funde (Halbfabrikate, tönerne Gussformen, Rohmaterialien etc.) aus solchen Gießereien.

Holzmuseum (NG/37)
Der Rundgang führt weiter zum Haus NG/37, dessen rückwärtiger, heute überdachter Teil stellenweise unter Abarbeitung des Felsens entstanden war. Hier sind die aus Brunnenschächten geborgene Holzfunde ausgestellt. Es sind dies aus alten Fässern und Vierkanthölzern bestehende Brunnenschachtschalungen (Abb. 4)..

Die Nordfront des Forums dominiert der großräumiger Tempelbezirk (54,6x45,5 m) mit tetrastylem, unterkellertem Podiumstempel der im Verlauf des Rundganges zu überblicken ist. Er stellt das zentrale römische Heiligtum der Stadt dar.

Praetorium (Räume M und K)
Im Westen schließt an den Tempelbezirk eine dreischiffige hypaetrale Basilika mit Tribunal (das Praetorium Raum M) an. Vom Tribunal aus, jenem einst mit Marmorplatten verkleideten quaderförmigen Sockel, der den römischen Autoritäten zur öffentlichen Amtsausübung diente, gelangt man damals wie heute in den Raum K, an dessen Wänden die reich dekorierte antike Feldermalerei zu sehen ist. Im Keller des Raumes ist das Keramikmuseum untergebracht, in dem Baukeramik aus- und römische Keramikformen vorgestellt werden.

Repräsentationshaus mit Museum
Der aus der Forumstherme hervorgegangene repräsentative Verwaltungsbau unmittelbar südlich der Basilika stellt das an Fläche größte Teilmuseum des Archäologischen Parks Magdalensberg dar und vermittelt wohl am besten antikes Raumgefühl.

Im ersten Raum (Raum D) ist außer beachtenswerten Importglasfunden (Abb. 5) auch der bislang umfangreichste Fund an unbearbeiteten Bergkristallen aus der römischen Antike ausgestellt (Abb. 6). Zudem kommen jene zwei im ganzen Imperium Romanum einzigartigen Marmorgussformen für Goldbarren die bei den Grabungen des Jahres 1993 geborgen werden konnten. Die in Spiegelschrift verfasste Inschrift am Boden lässt darauf schließen, dass sich das norische Gold im Privatbesitz des römischen Kaisers Germanicus (Caligula) befand.

Durch den mit antikem Mosaikbodenbelag und dreizehn Wandnischen ausgestatteten, später vermutlich als Archivraum genutzten Raum B gelangt man in den Apsidensaal. Für das bereits in der Frühzeit des Emporions herrschende anspruchsvolle Kunstempfinden zugezogener Gesellschaftsschichten zeugt in besonderem Maße der Fund der bronzenen Großplastik des Jünglings vom Magdalensberg im Jahre 1502, welcher ebenhier ausgestellt ist. In dieser heute nur noch als renaissancezeitlicher Abguss eines ursprünglich eklektischen Werkes der 1. H. des 1. Jhs. v. Chr. vorliegenden lebensgroßen Votivstatue oberitalisch-aquileienser Freigelassener, sind bisher zahlreiche Numina erkannt worden. Zuletzt wurde sie im Zusammenhang mit der Gründungslegende der Stadt als deren Gründungsheros interpretiert (Abb. 7).

Weiters ausgestellt sind hier der Bronzegreif, zahlreiche Schmuckgegenstände, Keramikservice, Waffen und Agrargeräte. Besonderes Augenmerk verdienen aber die zwei vor dem Jahre 2 v. Chr. gestiftete Ehreninschriften für Mitglieder der Familie des Kaisers Augustus (Gattin Livia und Tochter Julia). Als Stifter der Tafeln werden acht norische Stämme genannt, namentlich: die Noriker, Ambilinen, Ambidraven, Uperaken, Saevaten, Laianken, Ambisonten und Elvetier.

Lapidarium
In der südlich an den Apsidenraum anschließenden Forumstaberne ist das Lapidarium, eine umfangreiche Sammlung römischer Grabsteine untergebracht, die von der Gräberstraße am sog. Lugbichl stammen und uns Angehörige des römischen Heeres, einheimische Kelten, Freigelassene oberitalischer Familien sowie Freie mit oder ohne römischen Bürgerrecht namentlich überliefern.

Bad und Terrassenhäuser
Jüngsten Erkenntnissen zufolge wird es sich im Falle der großflächigen Terrassenbauten südlich der modernen Magdalensbergstraße ebenfalls um einen imposanten Baukomplex merkantil-repräsentativen Charakters gehandelt haben. In frühtiberischer Zeit streckenweise bis auf die Grundmauern abgetragen, wird dieser nachfolgend als kaiserlich norische Goldschmelze (flatura) kasernenartig adaptiert und umgebaut. Zu den hieraus geborgenen Funden zählen zwei Goldbarrengussformen des Kaisers Caligula und die 50 wohl als Nebenprodukte des hochalpinen Goldbergbaus erklärbare, bis zu 50 kg schwere Bergkristalle. Bauhöhen von bis zu 15 m verbinden hier drei Terrassen zu einer Nutzfläche von an die 4000 qm.

Zu diesem Bauensemble gehören auch ein mit Unterbodenheizung versehenes Bad und eine Großküche. Außer diesem dem Besucher zugängliche Versorgungsbereich gliedert sich die Anlage nach derzeitigem Kenntnisstand noch in Unterkunfts-, Lager- und Verwaltungsbereiche. Nukleus der Anlage war der "Hochsicherheitstrakt, in dem insgesamt 19 kleine Goldschmelzöfen angetroffen wurden. Der überwiegende Teil dieses im gesamten Imperium Romanum einzigartigen Baukomplexes der "Kaiserlichen Goldschmelze der Stadt Alt-Virunum auf dem Magdalensberg" soll in Kürze dem Freilichtmuseum angegliedert und zugänglich gemacht werden.


Abbildung 2


Abbildung 3


Abbildung 4


Abbildung 5


Abbildung 6


Abbildung 7