Abteilung für Alte Geschichte, Altertumskunde und Archäologie

Abteilung für Provinzialrömische
Archäologie und Feldforschung








Archäologische Lehrgrabung

im wiederentdecktem Tempelbezirk

bei St. Michael am Zollfeld 2005










Lehrveranstaltungsleitung:

Univ.-Doz. Dr. Heimo Dolenz M.A.
Univ.-Doz. Dr. Karl Strobel M.A.

 

Grabungsleitung:

Univ.-Doz. Dr. Heimo Dolenz M.A.
Priv.-Doz
. Dr. Martin Luik M.A

 

Grabungstermin:

18. – 29. Juli 2005

 

Projektziele:

Im Rahmen der Veranstaltung wird eine Lehrgrabung im Bereich Virunum in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum für Kärnten durchgeführt. Dabei werden die TeilnehmerInnen in die Methoden und Praxis der archäologischen Feldforschung, Dokumentation und Auswertung eingeführt. Weiters soll eine exakte Datierung des Tempelbezirkes ermöglicht werden.

 






Forschungsgeschichte

Es spricht vieles dafür, dass der Tempelbezirk bereits ab der Mitte des 17. Jahrhunderts freigelegt wurde. Der landschaftliche Kanzlist und Privatarchäologe J. D. Prunner dürfte von dem Tempel gewusst haben, da er ihn in seiner Abhandlung über die Stadt Sala erwähnt:
„… an flachen Boden unter St. Michael nechst den Grätzenberg in einen Acker (alwo ein Haydnischer Tempel gewesen) vilfältige Antiquitäten/und gemeyne Opffer-Zeychen von Eysen ausgeackert worden …“ (Johann Domenicus PRUNNER, Splendor Antiquae Urbis Salae. Klagenfurt 1691. 24.)

Die in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts durchgeführten Suchschnitte blieben befundlos. Die ersten Luftbildaufnahmen von 1976 bestätigten, dass es sich hier um einen weitläufigen Gebäudekomplex handelt. Man vermutete, dass sich hier die Basilika und ein Kasernenkomplex befanden. Erst die 1993 aufgenommenen Luftbilder des Österreichischen Bundesheeres führten zu dem Schluss, dass es sich bei den Gebäuden um einen Tempelbezirk gehandelt hat. 2001 begannen erste Vorarbeiten für die mehrjährig geplante Forschungskampagne. Die von den Grundeigentümern bei der Feldbestellung gefundenen antiken Keramik- und Bronzefragmente, Bruchstücke lebensgroßer Statuen sowie Architekturbestandteile waren Hinweise auf einen Tempelbezirk in unmittelbarer Nähe der Provinzhauptstadt Virunum.
Zahlreiche Funde – wie Fragmente von zwei Votivaltären, einer Votivsäule und einer Bronzestatuette vom Typus des Herakles bibax (betrunkener Herkules) – untermauern die Verehrung der Gottheit Herkules. Ihm dürfte der Tempelbezirk geweiht gewesen sein.


Luftbildaufnahme des Tempelbezirkes von 1993  




Tempelbezirk (Temenos)

Er liegt im Kreuzungsbereich der Nord-Süd-Hauptverkehrsachse. Diese überschneidet sich mit der von West nach Ost verlaufenden Nebenstraße die von Liebenfels/Hohenstein im

Glantal (Heiligtum der Isis-Noreia) in Richtung Magdalensberg führt.

Der Tempelbezirk war von einer biexedralen Portikus (Säulenwandelhalle mit zwei Apsiden) eingefasst, an welche im Norden und Süden vermutlich Tabernenbauten und Devotionalienläden angrenzten.

Östliche Exedren

Die bisherigen Ausgrabungen lassen darauf schliessen, dass die Anlage eine Ausdehnung von rund 60 m nach Ost-West und 52 m nach Nord-Süd hatte. Der gesamte Temenos wurde durch Aufschüttung künstlich erhöht. Die 1,2 m starke Umfassungsmauer des Tempelbezirks diente nicht nur zur Abgrenzung nach Westen, sondern fungierte auch als Schutz vor Überschwemmungen der westlich der Anlage mäandrierenden Glan. Im Zentrum stand der Podiumstempel, dessen Aussenmaße 16,8 x 9,6 m (56 x 32 römische Fuß) betrugen.
Hier ist der Befund im Bereich der Cella und Antecella durch Raubgrabungen massiv gestört, wie auch die gesamte Anlage durch jahrzehntelangen Einsatz von schweren Landmaschinen beeinträchtig wurde.

Südlich des Podiumtempels wurde der Podiumstempel

Altarsockel freigelegt, der axial zum Tempel lag und zeitgleich mit ihm errichtet wurde. Seine Abmessung betrug 3,6 m Ost-West und 2,7 m Nord-Süd. Der Tempelhof hatte wahrscheinlich einen Steinplattenbelag. Die Ost-West verlaufenden Mauerfluchten lagen nicht rechtwinkelig zum Tempel.

Über hallenartigen Vorgängerbauten, die man eventuell als Speicherräume nutzte, wurde die erste östliche Exedra/Apsis gebaut und später durch eine zweite, vergrößerte ersetzt, während die westliche Exedra nie umgebaut wurde.

Idealisierte, nicht maßstäbliche Grundrissrekonstruktion mit Bauachsen. Aufnahme H. Dolenz, Grafik H. Mühlbacher

Das architekturgeschichtliche Vorbild, eine Rekonstruktion des Augustusforums in Rom.




Datierung

Wie die Untersuchungen bis jetzt gezeigt haben, lässt sich der Tempel von der zweiten Hälfte des 1. Jhs. v. Chr.  bis in die zweite Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. datieren. Die teilweise ergrabenen Vorgängerbauten sind vermutlich in der frühen Kaiserzeit errichtet worden. Über diese abgetragenen Gebäude wurde wahrscheinlich in der Regierungszeit des Kaisers Hadrian (117-138 n. Chr.) der monumentale Sakralbezirk mit Podiumstempel errichtet. Durch seine Grundrisse lässt er sich in eine Reihe mit den stadtrömischen Kaiserforen stellen.


Grundriss der sogenannten Kaiserforen in Rom.



Rekonstruktion des Forums des Augustus mit Portikus und Podiumstempel.




Verwendete Literatur

Heimo DOLENZ, Die Ausgrabungen im Tempelbezirk bei St. Michael am Zollfeld im Jahre 2004. In: Rudolfinum. Jahrbuch des Landesmuseums Kärnten. Klagenfurt 2005 (in Druck).

Heimo DOLENZ, Die römische Siedlung und ihr wiederentdeckter Tempelbezirk bei St. Michael am Zollfeld. In: Carinthia I, 195. Klagenfurt 2005 (in Druck).

   
   
   
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