Aufgaben und Sammlungsschwerpunkte

Da eine eigene Landesbibliothek bislang nicht eingerichtet wurde, nimmt die Bibliothek des Landesmuseums Kärnten die Aufgaben einer Landesbibliothek wahr. Zu diesen Aufgaben zählen u.a. die Herausgabe der Landesbibliographie, die Sammlung, Erschließung und Bewahrung aller in Kärnten erschienenen Medienwerke - seien es gedruckte oder elektronische Medien.

Derzeit umfasst der Bestand der Bibliothek rund 130.000 Medieneinheiten.

Zu den wichtigsten Fachgebieten der Bibliothek zählen:
• Geschichte, Politik, Verwaltung,
• Klassische Archäologie und andere Altertumswissenschaften,
• Ur- und Frühgeschichte,
• Volkskunde,
• Bildende Kunst und Kunstgeschichte,
• Geowissenschaften
• Biologie


Abbildung: Ansicht Laibachs in
der Schedel'schen Weltchronik
(Ende 15. Jhdt.)

Die Bestände der Bibliothek gehen zurück auf die ehemaligen Sammlungen des Geschichtsvereines für Kärnten (gegr. 1844), des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten (gegr. 1848), des Kärntner Heimatmuseums (gegr. 1925) und mehrerer Legate. Besonderer Eifer gilt der Sammlung der "Carinthiaca", also der Literatur aus und über Kärnten einschließlich der sog. "Schönen Literatur", die sonst nur beschränkt vorhanden ist. Seit 1982 besitzt die Bibliothek neben der Österreichischen Nationalbibliothek und der hiesigen Universitätsbibliothek Anspruch auf Pflichtexemplare der Kärntner Verlagsproduktion. Unter den ca. 130.000 Bänden finden sich viele wertvolle Objekte wie Inkunabeln (siehe nebenstehende Abbildung), alte Atlanten und Karten, Werke aus der Frühzeit der Kärntner Druckgeschichte, Erstausgaben, seltene illustrierte Bücher etc.
Die Bibliothek des Landesmuseums Kärnten ist eine wissenschaftliche Fachbibliothek, die sowohl den Fachabteilungen im Museum als auch der Förderung allgemeiner Bildung und wissenschaftlicher Arbeit dient. Als eine öffentliche Einrichtung des Landes Kärnten ist sie öffentlich zugänglich, das heißt, jedermann hat die Möglichkeit, die Bibliotheksbestände unkompliziert sowie unentgeltlich zu benutzen. Ein neu gestalteter freundlicher Leseraum mit entsprechender Ausstattung soll das Arbeiten am Ort beflügeln, es kann aber auch Literatur nach den üblichen österreichischen Gepflogenheiten ausgeborgt werden.

Die Bibliothek "beherbergt" als Kulturgutträger viele kleinere und größere Kostbarkeiten: Darunter befinden sich die ersten großen Lexika wie z. B. der sog. "Zedler" ("Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, welche bißher durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden...") - benannt nach dem Verleger Johann Heinrich Zedler. Das in 64 Bänden und 4 Supplementbänden von 1732 bis 1754 beim Hallenser Verleger Zedler erschienene Werk ist eine der umfangreichsten Enzyklopädien. Das Werk besticht durch seine Genauigkeit und dient auch heute noch vielen interessierten Wissenschaftern und Laien als zuverlässiges Nachschlagewerk für Personen, Begriffe und Institutionen des 18. Jahrhunderts (siehe Abb. links).

Ein ebenso bedeutendes Lexikon ist die von Denis Diderot und Jean le Rond d'Alembert herausgebrachte "Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers". Die Bibliothek ist im Besitz der 3. Auflage, die in den Jahren 1770 bis 1779 erschienen ist. Diese berühmte Enzyklopädie umfasst nicht nur die klassischen Disziplinen wie Theologie, Philosophie, Geschichte und Literaturwissenschaften, sondern auch viele bis dato minder geschätzte handwerkliche Technologien und naturwissenschaftliche Themen.

Bemerkenswert und erwähnenswert ist die Tatsache, dass Beiträge, die das Missfallen der Zensur erwecken hätten können (so etwa die materialistische Philosophie Diderots) unter harmlosen Stichwörtern wie z. B. dem Lemma "Neant" (= Nichts) versteckt werden konnten.

Eines der ältesten Kärntner Druckwerk in deutscher Sprache ist die vom Klagenfurter Verleger Kramer 1660 erschienene "Beschreibung oder Relation Vber den Einzug vnd Erbhuldigungs Actvm In dem Ertzherzogthumb Kärndten". Dieses Werk, das sich ebenfalls im Besitz der Bibliothek befindet, beinhaltet eine der ältesten bildlichen Darstellungen des Klagenfurter Wahrzeichens, des Lindwurms (siehe Abb. rechts).

 

Die Zeitschrift "Carinthia": Als der Klagenfurter Regisseur am Ständischen Theater und Buchhandlungs-Commis Carl Mercy 1811 mit dem Titel "Carinthia" ein "Wochenblatt zum Nutzen und Vergnügen" als Beilage zur "Klagenfurter Zeitung" herausbrachte, begründete er eine Zeitschrift, die sich im Laufe der Jahre vom populär-literarischen Beiblatt zum kritisch wissenschaftlichen Fachorgan landeskundlicher Forschung entwickelte. Seit 1811 erscheint diese "Carinthia" bis heute in ununterbrochener Folge: damit ist sie die älteste österreichische Zeitschrift und zugleich die drittälteste im deutschen Sprachraum, neben dem "Göttingischen Gelehrten Anzeiger" und den "Annalen der Physik". Mit der Gründung des Geschichtsvereins 1844 und des Naturwissenschaftlichen Vereins 1848 wurde die "Carinthia", bis 1863 noch ein selbstständiges Blatt, zur Zeitschrift dieser Institutionen. Seit 1891 besteht die Trennung in eine "Carinthia I" als historisch-volkskundliche Zeitschrift und eine "Carinthia II" für naturkundliche Forschungen.

(Titelblatt der ersten Ausgabe der Zeitschrift "Carinthia" 1811; Landesmuseum für Kärnten, Bibliothek. Foto: J. Höck)